Die Zukunft und ich

Szene Vor dem Blue Note Die Straße ist nass. Das Licht der Reklame spiegelt sich im Asphalt, als würde die Nacht selbst atmen. Über der Tür flackert das Schild: Blue Note Jazz. Dampf steigt aus einem Gully auf, und für einen Moment wirkt alles wie ein Film, der sich selbst betrachtet. Er steht nicht mehr…

Canal

Tagebucheintrag Am Morgen war es wie immer. Der Kaffee stand da, dampfend, bereit zum Genuss. Wie immer. Und doch ist es jedes Mal ein kleines Wunder. Der Blick nach draußen: nur grau und regnerisch. Eigentlich egal. Ich war vorbereitet. Ich holte das Vorderrad vom Velo. Wollte endlich anfangen, es zu wechseln. Tubeless. Ich musste selber…

Ein Streitgespräch über die Isolation des Menschen

nach Jung und Freud, Wien / Zürich, ca. 1913–1930 Sigmund Freud Du sprichst von Isolation als Übergang. Ich sehe darin vor allem einen Zustand erhöhter Triebspannung. Der Mensch wird isoliert, weil seine Impulse nicht sozialverträglich sind. Aggression ist verdrängter Trieb, nichts weiter. Carl Gustav Jung Du reduzierst, Sigmund. Aggression ist nicht nur Trieb, sie ist…

Ich bin sauer und wütend

Über Kälte und Ordnung Die Konsequenz ist nicht zuerst Chaos.Sie ist Kälte. Wenn man alle Menschen gleich einsortiert, nicht gleich behandelt, verliert das Denken seine Tiefe. Dann wird Moral zu Verwaltung. Und Verantwortung zu Aktenlage. Der Sündenbock ist dabei kein Zufall, sondern ein Werkzeug. Er dient nicht der Wahrheit, sondern der Entlastung. Nicht: Was ist…

Bist Du heute schon gereist

Bist du heute schon gereist? Meine Antwort: Ja. Vom Bett zum Kaffeetisch. Der Kaffee dampfte nicht mehr so wie gestern. Es war Kaffee von gestern. Auch das ist eine Reise. Man sagt, Reisen seien spannend. Und jeder reist. Bewusst oder unbewusst. Manche suchen sie, manche werden von ihnen gefunden. Diese Reise nach Suhl habe ich…

E. T. A. Hoffmann

E. T. A. Hoffmann E. T. A. Hoffmann lebte vor rund zweihundertfünfzig Jahren. Er war Schriftsteller, Musiker und Jurist zugleich – und jemand, der gegen den Geist seiner Zeit schrieb. Kaum einer wusste, wer er wirklich war, doch der Gegenwind begleitete ihn ständig. Ordnung, Vernunft und Moral waren für ihn keine Sicherheiten, sondern fragile Konstrukte….

Der Ton macht die Music

Die folgenden Texte erzählen dieselbe Begegnung. Nichts an der Handlung ändert sich. Kein Wort wird verschoben, kein Detail ergänzt. Was sich ändert, ist der Blick. In der ersten Version erscheint die Frau im Laden als das, was sie sein könnte: eine Fremde, die fragt. Unsicher, respektvoll, auf der Suche nach Orientierung. Eine Begegnung im Alltag,…