Fantasie
Nicht als Flucht. Nicht als Dekoration. Sondern als etwas, das mitgeht, mitdenkt und für einen Augenblick die Welt verschiebt.
Ich wache in meinem Bett auf. Meine Fantasie hat mich längst zu meinen Freunden geschleudert. Ein Alp, hoch oben – erkämpft, mühsam, Schritt für Schritt. Und dann das Glas Rotwein. Belohnung. Gemeinsam.
Als es am schönsten ist, muss ich zurück. Realität. Wir haben einen Termin. Der Verein – viele nennen es Malerverein. Ich sage: eine Selbsthilfegruppe. Ort: die Stadtbibliothek. Vernissage.
Ein Mitglied spielt Flöte. Vielleicht gedacht für Shaolin-Mönche. Oder doch für Samurai. Meditation sollte es sein. Aber ruhig ist es nur äußerlich. Die Flöte findet keinen Fluss.
Dann der Schriftsteller. Einer der Gründer. Er liest aus seinem Buch: Der Löwe und der Kuss. Die Bilder sind stark. Aber sie tragen nicht weit.
Fantasie ist für mich eine Grundlage. Etwas, das man lebt, um mit dem Schritt zu halten, was entsteht.Fantasie, sagt man, sollen wir leben. In neue Welten eintauchen. Aber meine Fantasie ist das nicht. Fantasie ist für mich eine Grundlage. Etwas, das man lebt, um mit dem Schritt zu halten, was entsteht – an Ideen, an Erfindungen, an Bewegung.
Wir verabschieden uns. Der Aufenthalt ist vorbei. Wir gehen auf den Platz des Prinzen, setzen uns, genießen die Sonne und die Getränke.
Und plötzlich – da ist sie. Fantasie. Das Geübte. Das Vertraute. Eine ehemalige Bonbonfabrik verwandelt sich in unsere Villa. Nur für einen Moment. Aber klar.



