Ich bin Ben

Manifest eines Schreibenden

Manifest eines Schreibenden

Ich schreibe nicht, weil ich Antworten habe.

Ich schreibe, weil ich merke, dass das, was mich bewegt, sonst keinen Ort findet.

Ich bin kein Chronist der Welt, wie sie ist.

Ich bin ein Beobachter dessen, was zwischen den Dingen geschieht.

Dort, wo ein Blick länger bleibt.

Dort, wo ein Satz nicht ganz aufgeht.

Dort, wo eine Gasse enger wird und plötzlich mehr sagt als ein ganzer Platz.

Ich sammle keine Wahrheiten.

Ich taste nach Bedeutung.

Was ich schreibe, ist selten fertig.

Es ist ein Versuch.

Ein Annähern.

Manchmal auch ein Verirren, das ich stehen lasse, weil es ehrlicher ist als ein sauberer Schluss.

Ich bin kein Autor, der belehrt.

Ich bin einer, der hinschaut.

Und manchmal länger hinschaut, als es bequem ist.

Ich glaube nicht an die große Erklärung.

Ich glaube an den Moment, in dem etwas still wird und sich zeigt.

Ein Blick.

Ein Satz.

Ein Gedanke, der plötzlich nicht mehr nur mir gehört.

Meine Texte entstehen nicht aus Sicherheit.

Sie entstehen aus einem Zustand, in dem ich selbst noch nicht weiß, wo ich stehe.

Und genau deshalb schreibe ich.

Ich vertraue nicht der schnellen Auskunft.

Ich vertraue dem Zweifel, der bleibt.

Dem Satz, der sich nicht sofort erklärt.

Der Frage, die sich nicht auflöst.

Ich schreibe nicht für Zustimmung.

Ich schreibe, um etwas sichtbar zu machen, das sonst untergeht.

Vielleicht auch, um mich selbst dabei nicht zu verlieren.

Wer meine Texte liest, bekommt keine Anleitung.

Er bekommt eine Bewegung.

Ein Stück Weg.

Vielleicht auch eine Irritation.

Und wenn etwas davon hängen bleibt,

nicht als Wissen, sondern als leiser Gedanke,

dann war es genug.

Ich bin kein Zeitgenosse im sicheren Sinn.

Ich bin einer, der in seiner Zeit steht und doch spürt,

dass er sie nicht vollständig versteht.

Und genau darin liegt mein Schreiben.