Vor dem Blue Note
Die Straße ist nass.
Das Licht der Reklame spiegelt sich im Asphalt, als würde die Nacht selbst atmen. Über der Tür flackert das Schild: Blue Note Jazz. Dampf steigt aus einem Gully auf, und für einen Moment wirkt alles wie ein Film, der sich selbst betrachtet.
Er steht nicht mehr im Studio.
Kein Anzug.
Kein korrekt gebundener Schlips.
Ein buntes Hemd, offen am Hals.
Bluejeans.
Die Hände in den Taschen, als wüssten sie nicht, wohin mit sich.
Er wollte hier nicht stehen.
Und doch ist er hier.
Sie ist nicht mehr bloß ein Bild.
Nicht nur eine Konstruktion aus Metall und Mechanik.
Sie steht im Licht der Tür – halb Mensch, halb Maschine.
Das Gesicht weich, die Augen wach.
Unter der Haut aus Technik ein Zittern, das keiner programmiert hat.
Als sie ihn sieht, hebt sie den Kopf.
Nicht erschrocken.
Eher überrascht über die Möglichkeit, dass er wirklich da ist.
Er sieht sie.
Nicht als Projekt.
Nicht als Experiment.
Nicht als Fabrikarbeit.
Sondern als sie.
Die Musik dringt gedämpft nach draußen. Ein Saxophon. Ein langsamer Ton, der sich in der nassen Luft verliert.
Sie tritt einen Schritt vor.
Das Metall ihrer Hand glänzt im Neonlicht, ihre menschliche Hand zögert einen Herzschlag länger.
Er lächelt nicht.
Er ist nicht vorbereitet.
Zwischen ihnen liegt kein Satz.
Nur diese Nacht.
Nur dieses Licht.
Nur die Frage, ob etwas, das gebaut wurde, fühlen darf –
und ob ein Mann den Mut hat, es zuzulassen.


