Wie geht es mir
Der Text steht in der Tradition klassischer Erzählungen über Fremdheit,
Eigenständigkeit und Resonanz.
Die Perspektive ist die von Ben dem Schweizer.
Frei nach Daniel Defoe, Albert Camus, William Golding
und Ben der Schweizer.
Was ich in diesem Roman schreiben wollte – und noch immer will – ist kein Abenteuer und
keine Anklage. Es ist ein Gedanke über die Erde selbst. Über ihr Prinzip.
Die Erde funktioniert nicht als geschlossener Kreis. Sie ist kein System, das nur duldet,
was es selbst hervorgebracht hat. Sie arbeitet mit Strömungen. Mit Kräften, die Fremdes
anschwemmen. Körper, Dinge, Ideen, Menschen. Nicht geplant, nicht gefragt, nicht
erklärbar im Moment ihres Erscheinens.
Dieses Anschwemmen ist kein Fehler. Es ist ein Grundprinzip.
Was angeschwemmt wird, ist oft das, was man nicht erkennen will. Nicht, weil es böse ist,
sondern weil es bestehende Ordnungen in Frage stellt. Fremde Körper stören nicht durch
ihr Tun, sondern durch ihre bloße Anwesenheit. Sie erinnern daran, dass Ordnung nicht
abgeschlossen ist.
In der Geschichte ist Ben kein Held und kein Opfer. Er ist angeschwemmt. Wie Treibholz.
Nicht, um zu belehren. Nicht, um zu retten. Sondern um da zu sein. Die Reaktionen der
Insel sagen weniger über ihn aus als über die Angst, den Nutzen und die Bequemlichkeit
derer, die dort leben. Man nimmt, was hilft, und weist zurück, was erklärt werden müsste.
Die Frage, die sich daraus ergibt, ist keine politische und keine moralische. Sie ist
persönlich.
Wie gehe ich mit dem Fremden um, das mein Leben berührt? Wie gehe ich damit um,
wenn etwas oder jemand bleibt, ohne sich erklären zu wollen? Und wie gehe ich mit mir
selbst um, wenn ich merke, dass ich Teil dieses Mechanismus bin?
Der versöhnliche Gedanke liegt nicht darin, dass alles gut wird. Sondern darin, dass man
erkennt: Strömungen hören nicht auf, nur weil man sie ignoriert. Aber man kann lernen,
ihnen zuzusehen, ohne sofort zu verurteilen. Man kann lernen, nicht alles besitzen oder
verstehen zu müssen, was ankommt.
Vielleicht ist das bereits genug.
Und vielleicht beginnt genau dort eine ehrliche Antwort auf die Frage:
Wie geht es mir?