Würenlingen



Am 21. Februar 1970 stürzte eine Swissair-Maschine, Flug 330, nach einer Explosion im Gepäckraum ab. Eine Bombe hatte das Flugzeug zerstört. Der Absturz bei Würenlingen wurde zum schwersten Terrorereignis der Schweizer Luftfahrtgeschichte. Der Ort trägt das bis heute in sich, auch wenn man es nicht sieht.
Viele Jahre später, 1982, waren wir zu acht. Man brachte uns dorthin, eher beiläufig, fast nebenbei. Eine Übung, hiess es. Ein Lastwagen, ein Sechs-mal-Sechs, hinten abgedunkelt, unüblich für Personentransport. Keine Sicht, kein Kompass, keine Erklärung. Nur Fahrt. Kurven. Wald. Zeit.
Und doch war da keine Anstrengung, sich zurechtzufinden. Niemand musste suchen. Niemand fragte wirklich. Man wusste, wo man war, noch bevor man es hätte sagen können. Der Ort selbst schien zu erinnern. An der Stille. An der Art, wie der Wald stand. An der Schwere, die nicht drückte, sondern wach machte.
Wir waren ein Trupp, ja. Aber nicht verbunden durch Parolen oder Meinungen. Die Kameradschaft entstand aus der Aufgabe, aus der gemeinsamen Zeit, aus dem Aushalten derselben Umstände. Man war ein Teil von etwas, das grösser war als man selbst, ohne es erklären zu müssen. Die Schweiz schützen, hiess es. Mehr brauchte es nicht.
Es gab Dinge, die keinen Namen hatten und bis heute keinen brauchen. Man politisierte sie nicht. Man trug sie einfach mit sich. Der eine fährt später Velo, der andere läuft Routen ab, ein dritter bleibt stehen und schaut lange in eine Landschaft. Nicht aus Romantik, sondern weil er weiss: Natur ist nichts Äusseres. Sie ist das, was wir sind, wenn wir aufhören, uns darüber zu stellen.
Was damals trug, war nicht Macht und nicht Befehl. Es war Augenhöhe. Das stille Wissen, dass man einander braucht, wenn die Umstände unbequem sind. Dass Nähe nicht aus Übereinstimmung entsteht, sondern aus gemeinsam ausgehaltener Wirklichkeit.
Und vielleicht bleibt davon am Ende genau das:
eine leise Sehnsucht nach Leben, nach Erleben, nach Gegenwart.
Nicht als Ziel, nicht als Plan, sondern als Bewegung nach innen und nach vorn zugleich.
Als etwas, das bleibt, auch wenn alles andere vergangen ist.