Der Brief

Wann hast du zum letzten Mal einen Brief geschrieben? Nicht in die Tasten gehauen, sondern mit einem Stift Zeichen aufs Papier gesetzt. In der Psychologie heißt es, man brauche keine Wahrheitserkennungsmaschine. Ein Blatt Papier und ein Stift genügen. Schreibst du Unwahrheiten auf, beginnen deine Hände zu zittern. Du kannst dich nicht dagegen wehren. Probier es.

Das letzte Mal war gestern. Ein paar Notizen. Die Tasten sind geduldig, Papier nicht. Deshalb schreibe ich Notizen von Hand aufs Papier. Das Papier verrät mir, was wirklich wichtig ist.

Ich schrieb: Ich liebe dich. Alles zitterte. Wie kann ich jemanden lieben, den ich fast nicht kenne? Am Anfang war es der Funke, dann das Feuer. Liebe ist das Feuer. Also schrieb ich, was ich dachte. Als ich sie in Luzern kennenlernte, regnete es leicht. Etwas, das mir sonst nie passiert. Ich schrieb vom Schönen im Leben, von dem, was wir gemeinsam erleben könnten. Egal, woher sie kam. Aus Südafrika. Auch dort scheint die Sonne wunderbar.

Die Geschichte war eigentlich diese: Zurück in Basel tippte ich eine E-Mail. Ich schreibe dir einen Brief. Sie schrieb zurück, sie freue sich auf den Brief. Es vergingen ein paar Wochen, bis wir zusammenwuchsen. Dann kam die Weihnachtszeit, märchenhaft.

Und ich stand in der Papeterie. Nur weißes, stenotypisches Papier. Kein Pergament. Nichts. Die Papeterie war keine Frage des Mangels, sondern der Unwissenheit. Ich habe den Block benutzt, mehrere Blätter gebraucht. In meiner Verzweiflung rief ich: Bitte, hilf mir jemand. Ich suche meinen Stift und Papier. Und merkte, dass ich vor lauter Wald die Bäume nicht sah.

Die Botschaft ist einfach: Ohne Sinn und Zweck habe ich in diesem Leben nichts zu suchen. Also haue ich in die Tasten und schreibe weiter. Vielleicht. Der Stift und das restliche Papier, die Hälfte des Blockes, liegen im Sekretär, in meinem Domizil. Wartend.