Sex oder was

Ich, mit einem Glas Cognac in der Hand, erzähle dir nicht, was du hören willst – sondern das, was ich wirklich denke, weil ich aufgehört habe, mich zu entschuldigen dafür, dass ich noch da bin. Früher war das anders. Fünf Stellungen waren Standard, keine große Sache. Nach fünf Minuten war alles vorbei, aber wir nannten es Leidenschaft. Schnell rein, schnell raus – der Körper wusste, was zu tun war. Gefühl war dabei, ja, aber untergeordnet. Es war mehr Reflex als Ritual. Mehr Trieb als Tiefe.

Heute? Heute denken sie, wenn ich mit dem Maserati vorfahre: „Klar, alter Sack mit Geld.“ Mag sein. Aber was keiner sieht: Nach fünf Minuten fängt’s bei mir erst an. Nicht mehr, weil ich es muss. Sondern weil ich es will. Ich brauche diese Zeit, um das Spiel zu spüren. Kein Wettlauf mehr. Kein Beweisen. Kein Zwang, jung zu wirken. Nur zwei Menschen, ein Moment, ein Funke. Und dann sehen, ob er brennt.

Sex heute ist kein Hunger mehr – es ist ein Gespräch ohne Worte. Ein Echo, das sich nur zeigt, wenn man lange genug lauscht. Also ja, früher war mehr Repertoire. Aber heute ist mehr Gegenwart. Und das macht jeden Moment – jeden verdammten Atemzug – wichtiger als alles, was man schnell hinter sich gebracht hat.

Ob’s heute passiert oder nicht? Egal. Hauptsache, wir haben Spaß daran. Und wenn nicht – dann trinke ich eben diesen Cognac. Mit Würde. Mit Lust. Mit uns.