Auch schon geträumt heute
Auch schon geträumt heute
Wenn ich nicht darüber rede, was ich träume, ergibt das Träumen für mich keinen Sinn. Der Traum ist in der Nacht entstanden, aber vielleicht möchte er am Tag verstanden werden. Diese Nacht…
Wenn ich nicht darüber rede, was ich träume, ergibt das Träumen für mich keinen Sinn. Der Traum ist in der Nacht entstanden, aber vielleicht möchte er am Tag verstanden werden.
Diese Nacht war chaotisch. Viele Dinge geschahen, doch zwei Erlebnisse sind mir geblieben.
Ich stand an einem Fluss. Dort sprach mich ein Mann an, der mit seiner Situation etwas unzufrieden war. Während wir miteinander redeten, sah ich auf dem Wasser ein ungewöhnliches Segelschiff. Es hatte nur einen Mast und keine Aufbauten auf dem Deck. Alles, was auf einem gewöhnlichen Schiff sichtbar wäre, befand sich im Rumpf. Das Wesentliche war von außen nicht zu erkennen.
Der Mann fragte mich, woher ich komme. Ich sagte ihm:
„Dort, wo ich lebe, mag ich Amerika nicht. Nicht weil Amerika blöd ist, sondern weil ich es nicht kenne.“
Doch in diesem Traum kam ich selbst aus Amerika. Ich erzählte ihm, dass dort viele solcher Schiffe unterwegs seien, fast wie ein Hobby.
Dann fragte er mich, was ich mache.
„Ich bin KI-Creator. Ich mache kurze Filme zu aktuellen Themen.“
In einer anderen Szene sah ich eine Gruppe von Menschen. Eine Frau erzählte ihnen eine Geschichte. Ich ging zu dieser Gruppe und sagte:
„Es ist schön. Früher sah ich mich schon als den schönsten Menschen. Und jetzt höre ich, dass es Menschen gibt, die noch schöner sind.“
Daraus entstand eine Diskussion. Worum es dabei ging, weiß ich nicht mehr. Der Traum hat mir die Worte nicht gelassen, nur das Gefühl und einige Bilder.
Aus der Sicht von Carl Gustav Jung könnte der Fluss für den Lebensstrom und das Unbewusste stehen. Ich befinde mich an seinem Rand. Ich sehe, was vorbeikommt, und beginne darüber zu sprechen.
Das Schiff könnte ein Bild meiner eigenen Psyche sein. Auf dem Deck gibt es kaum etwas zu sehen. Alles Wesentliche geschieht im Inneren. Dort befinden sich meine Gedanken, Erinnerungen, Bilder und inneren Stimmen. Das Segel fängt den unsichtbaren Wind ein und verwandelt ihn in Bewegung. Vielleicht mache ich als KI-Creator etwas Ähnliches: Ich nehme etwas Unsichtbares auf und versuche, daraus ein sichtbares Bild oder einen kurzen Film zu machen.
Der unzufriedene Mann könnte einen Teil von mir verkörpern, der mit seiner gegenwärtigen Lage nicht ganz einverstanden ist. Jung würde ihn vielleicht dem Schatten zuordnen. Der Schatten ist nicht unbedingt etwas Böses. Er ist häufig der Teil eines Menschen, der zu wenig beachtet wurde und deshalb ein Gespräch sucht.
Besonders auffällig ist der Widerspruch mit Amerika. Ich sage, dass ich Amerika nicht mag, weil ich es nicht kenne. Gleichzeitig komme ich im Traum selbst von dort. Vielleicht ist Amerika hier weniger ein wirkliches Land als ein unbekanntes Gebiet in mir. Der Traum könnte mir sagen:
Das Fremde, das ich ablehne, gehört möglicherweise schon zu mir.
Die Frau, die vor der Gruppe eine Geschichte erzählt, könnte bei Jung als Anima verstanden werden: als weibliche innere Stimme, die Gefühle, Beziehungen und Geschichten miteinander verbindet. Sie spricht nicht nur zu mir, sondern zu einer Gemeinschaft. Dadurch führt mich der Traum aus dem Gespräch mit einem einzelnen Mann hinein in eine Gruppe von Menschen.
Auch der Satz über den schönsten Menschen scheint mir wichtig. Vielleicht ist er humorvoll gemeint, vielleicht auch ernst. Ich darf mich selbst schön und bedeutend finden. Gleichzeitig entdecke ich, dass Schönheit nicht mein persönlicher Besitz ist. Auch andere Menschen tragen etwas in sich, das schön und wertvoll ist. Genau daraus beginnt die Diskussion.
Beide Traumbilder könnten deshalb zusammengehören. Beim Schiff ist das Wesentliche von außen nicht sichtbar. Bei den Menschen ist es ebenso. Schönheit liegt nicht nur im Gesicht oder in dem Bild, das jemand von sich zeigt. Vieles lebt im Inneren, im verborgenen Rumpf.
Vielleicht bin ich in diesem Traum nicht nur der Beobachter am Fluss. Vielleicht bin ich zugleich das Schiff, der unzufriedene Mann, das unbekannte Amerika und die Frau, die eine Geschichte erzählt.
Und vielleicht ergibt das Träumen erst dann einen Sinn, wenn ich am Morgen darüber spreche und das Verborgene für einen Augenblick sichtbar werden lasse.