Im Studio

Ich betrachte das Bild.

Zwei Frauen. Ein Studio. Licht und Schatten.

Eigentlich weiss ich nichts über sie. Ich kenne weder ihre Namen noch ihre Geschichten. Ich weiss nicht, was sie denken, wonach sie sich sehnen oder worüber sie lachen.

Und trotzdem beginnt etwas in mir zu arbeiten.

Mein Kopf ergänzt Geräusche, Gerüche und Erinnerungen. Aus einem Bild wird eine Geschichte. Aus einer Pose wird eine Begegnung. Aus einem Blick eine Möglichkeit.

Merkwürdigerweise geschieht mir dasselbe auf Reisen.

Ich stehe auf einem Platz in einer fremden Stadt. Höre eine Sprache, die ich nicht verstehe. Sehe Menschen, die ich nie wieder treffen werde.

Eigentlich weiss ich nichts über diesen Ort.

Und trotzdem entsteht in mir ein Gefühl, als wäre ich schon einmal hier gewesen oder als würde hier etwas auf mich warten.

Vielleicht sind es meine Sinnesrezeptoren, die Eindrücke sammeln. Vielleicht ist es mein Gehirn, das Muster sucht. Vielleicht ist es aber auch nur diese alte Sehnsucht, die mich immer wieder aufbrechen lässt.

Dort, wo ich wohne, ist mein Rückzugsort.

Dort, wo meine Gedanken zu wandern beginnen, beginnt mein Zuhause auf Zeit.

Das Bild vor mir und die fremde Stadt unterscheiden sich weniger, als man glaubt.

Beide erzählen mir nichts.

Und doch erzählen sie mir sehr viel über mich selbst.

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