Französisch
Max Frisch fragte einmal:
„Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?“
„Hätten Sie den Mut, dem Menschen noch einmal zu begegnen, der selbst so gern weitergelebt hätte – und ihm nichts erzählen zu können?“
Heute beschäftigt mich ein Hotel, in dem ich alles selber machen muss.
Eigentlich ist das nichts Besonderes.
Man fährt selber hin.
Man schaut selber, wo man hineinmuss.
Man hofft, dass sich die Schranken an der Zahlstelle öffnen.
Man hofft auch, dass der Schnee oben auf den Gipfeln bleibt und nicht dorthin kommt, wo man fahren will.
Das sind Aufgaben.
Aber wenn ich ehrlich bin, sind es keine grossen Aufgaben.
Es sind eher Unterbrechungen.
Unterbrechungen der Langeweile.
Vielleicht ist überhaupt vieles im Leben nur dazu da, die Langeweile zu unterbrechen.
Ich habe heute daran gedacht, wie wir einmal in Avanche Schweiz stationiert waren.
Wir haben dort, wenn man so will, die Langeweile anderer Leute durchbrochen.
Mit unseren Exzessen.
Danach wurde geschimpft.
Das gehört vermutlich dazu.
Aber ich glaube, am Schluss haben doch alle ein wenig gegrinst.
Vielleicht nicht offen.
Aber innerlich.
Es ist ja auch unerquicklich, wenn immer alle über dasselbe reden.
Sobald alle dasselbe denken, wird es unerquicklich.
Vielleicht sogar langweilig.
Und vielleicht liest in fünfzig Jahren jemand diesen Text und denkt:
Wie langweilig.
Dann wäre das eigentlich gerecht.
Denn auch uns war damals langweilig.
Nicht immer.
Aber oft.
Ich stand heute vor einem Tor in Basel und rief eine Nummer in London an.
Die Person am anderen Ende sprach nur Englisch.
Und ich dachte:
Da steht also ein Basler in Basel, der in Basel ein Zimmer gebucht hat, und muss dafür in London anrufen.
Das ist nicht tragisch.
Aber es ist auch nicht nichts.
Es ist eine kleine Verrücktheit des Alltags.
Und vielleicht war genau das für einen kurzen Moment interessant.
Später waren wir in Muttenz bei Pantellon und haben uns einen Oldtimer gekauft.
Auch das ist natürlich keine Lösung.
Ein Oldtimer löst nichts.
Er durchbricht nur für einen Moment die Langeweile.
Aber vielleicht ist das schon viel.
Vielleicht erzählt er uns etwas von damals.
Vielleicht erinnert er an eine Zeit, in der auch nicht alles grösser war, aber manches langsamer.
Und vielleicht genügt das schon.
Ich frage mich manchmal, was man den Menschen überhaupt hinterlassen kann.
Etwas Grosses wahrscheinlich nicht.
Aber vielleicht etwas, das ihre Langeweile für einen Moment unterbricht.
Ein Satz.
Ein Bild.
Ein Gedanke.
Ein alter Wagen.
Ein kleiner Umweg.
Oder einfach die Erinnerung daran, dass auch andere nicht immer wussten, was sie eigentlich tun.
Vielleicht ist das nicht wenig.






