Kameradschaft

Ja, ich weiß, das Bild mag vielleicht bedrohlich wirken.
Aber es zeigt eine Situation, in der ich damals war. Ob auf einer Alp im Wallis oder im Berner Oberland, spielt keine Rolle.

Ich war der Schütze.
Ich hatte einen Helfer für Lafette und Munition.
Dazu kamen vier weitere, die uns unterstützten und Deckung gaben.

Aber darum geht es nicht.

Es geht um etwas ganz anderes:
um Kameradschaft.
Um das Zusammensein als eingeschworene Gruppe.

Wir haben uns nicht ausgesucht, wer dabei ist.
Aber wir haben immer versucht, einen Faden zu finden, der uns verbindet.
Und ich kann heute sagen: Zum Glück.

In meinem Trupp waren keine Idioten.
Die Idioten waren bei den Idioten.
Bei uns waren Menschen, die im Kopf etwas weiter waren.

Wir hatten sogar einen Biologen.
Er hatte eine ganz eigene Aufgabe:
Wenn wir beim Lunchpaket Essen bekamen – Früchte, vor allem Orangen –
dann war er dafür zuständig, sie zu schälen und in Stücke zu schneiden.
Biologiearbeit, wie sie im Buche steht.

Und wir hatten einen Astronomen.

Eine Nacht erinnere ich besonders: auf dem Glaubenberg.
Dort gibt es kein Licht.
Die nächsten Häuser sind viele Kilometer entfernt,
die nächste Großstadt noch weiter.

Die Nacht war klar, kalt, still.
Wir standen auf einem abgelegenen Parkplatz,
bewachten Fahrzeuge,
mit scharfer Munition.

Darüber kann man diskutieren.
Aber so war es damals.

Wir trugen Verantwortung.
Und Verantwortung hat einen Preis:
die Munition,
das Gelübde,
die Wachsamkeit.

Was blieb, waren Gespräche.
Zeit.
Und der Astronom, der mir die Sternbilder erklärte.
Ich konnte sie mir nicht alle merken.
Aber mein Interesse war da.

Mich hat immer interessiert,
was andere Menschen tun,
was ihnen wichtig ist –
auch wenn ich es mir nicht immer behalten konnte.

Es waren schöne Momente der Kameradschaft.
Aus dieser Perspektive betrachtet:
der Schütze
und die Mannschaft.