Die Treppe

Es ist nicht meine Treppe. Aber es ist eine Treppe. Die Treppe in Lörrach, auf der ich einmal war. Das Foto lag irgendwo in einer Schachtel. Ich wusste nicht mehr, dass ich sie fotografiert hatte. Wozu auch. Sie hatte mir vor unserem ersten Kennenlernen von ihr erzählt: wie schmal sie sei, wie völlig unbrauchbar. Und doch wohnte sie oben. Was wollte sie dort oben, in dieser Wohnung, über eine Treppe, die eigentlich nichts taugte? Heute, nach all den Jahren, kann ich sagen: Ja, es ist ihre Treppe. Nicht meine. Vielleicht schreibe ich deshalb lieber Geschichten. Diese Treppe fand ich eigentlich nur spannend, nicht mehr. Dann war da der Riss. Es war Eifersucht. Keine wissende Eifersucht, sondern eine, die nichts verstehen wollte. Eine, die so viel Raum einnahm, dass für mich nichts mehr übrig blieb. Sie führte dazu, dass es für mich langweilig wurde. Nicht aus Mangel an Gefühl, sondern aus Mangel an Energie. Ich hatte keine Kraft mehr, ständig beweisen zu müssen, dass ich sie liebe. Ich schaue die Treppe an, nebenbei läuft der Fernseher. Welche Meldungen über den Bildschirm flimmern, weiß ich nicht. Ich weiß nur: Ich bin bereit, etwas für mich zu tun. Und diese Treppe – ob sie noch steht, weiß ich nicht.