Die Mauer


Freunde,
jeder hatte einmal die Möglichkeit, ein Stück des Weges mitzugehen.
Nicht aus Pflicht, nicht aus Versprechen, sondern aus Nähe.
Manche sind ein Stück geblieben, andere sind früher abgebogen.
Das ist kein Vorwurf. Wege unterscheiden sich, und nicht jeder Weg verlangt dieselbe Geduld.
Es gibt leichtere Pfade.
Sie sind heller, schneller, oft bequemer.
Wer sie wählt, tut nichts Falsches.
Aber er entscheidet sich für etwas anderes.
Denn dieser Weg hier verlangt Ausdauer.
Er fragt nicht nach Nutzen, nicht nach Tempo, nicht nach Zustimmung.
Er lebt von Aufmerksamkeit, von Stille, von der Bereitschaft, nicht sofort weiterzugehen.
Er verlangt kein Bekenntnis – nur Präsenz.
Ich kann niemanden zurückholen, der sich anders entschieden hat.
Und ich will es auch nicht.
Was sich entfernt, folgt seiner eigenen Notwendigkeit.
Doch jene, die geblieben sind,
die nicht ausgewichen sind,
die ausgehalten haben, ohne zu verlangen,
die zuhören können, ohne zu bewerten,
die sehen können, ohne besitzen zu wollen –
sie sind willkommen.
Nicht als Gäste, nicht als Publikum,
sondern als Mitgehende.
Dieser Raum ist kein Ort des Vergleichs,
kein Markt der Meinungen,
kein Ort für Erklärungen oder Rechtfertigungen.
Er ist ein Ort des Daseins.
Wer hier eintritt, tut es freiwillig.
Ohne Rolle.
Ohne Auftrag.
Ohne Anspruch.
Und genau darin liegt seine Offenheit.