Marsaille

Heute war ein sonniger Tag. Kalt, aber Sonntag. Bei Marseille etwa 14 Grad, nicht schlimm.
Die Maschine flog im Autopilot, sauber eingestellt. Wir staunten über die Strände, über die Pferde, die am Ufer entlangjagten, über die riesigen Schilffelder, kilometerweit.

Der Flug folgte einer temporär freigegebenen Route, niedriger als üblich, außerhalb des zivilen Linienverkehrs, um die fantastischen Küsten rund um Marseille zu fotografieren.

Wir wussten, dass zwischendurch etwas passieren kann. Dass GNSS-Signale gestört werden, dass Systeme für Sekunden ihre Orientierung verlieren. Manchmal genügt ein falscher Impuls, und ein Gerät glaubt, woanders zu sein, als es ist.

Und doch gibt es diese andere Ebene.

Ich weiß, dass sich alles technisch erklären lässt. Und trotzdem gibt es Momente, in denen man innerlich ein Stück neben der Spur gerät, vielleicht zweihundert Meter versetzt zur Welt. Kein Fehler, eher eine Verschiebung. Dann fühlt es sich an, als würde etwas beginnen – lautlos, ohne Befehl. Nicht außen, sondern innen. Realität und Intuition berühren sich für einen Augenblick, ohne sich zu widersprechen.

Dann wurde es ernst.
Das Flugzeug geriet ins Trudeln, die Nase ließ sich nicht mehr zum Himmel heben. Ein kurzzeitiger Ausfall zwang das System in den Sicherheitsmodus. Der Autopilot war weg, die Orientierung auch.

Wir verließen das Cockpit, schnell, mit unseren Fallschirmen, und hofften, dass die Höhe ausreichen würde, damit sie sich rechtzeitig öffnen.

Was danach geschah, ist bereits Geschichte.
Sie konnten landen – nicht sauber, nicht kontrolliert, aber lebend. Das Flugzeug selbst war verloren. Nach kurzer Zeit waren Feuerwehr, Polizei und Sanität vor Ort. Zurück blieb ein zertrümmerter Rumpf, Stille, und das Wissen, dass manches endet, auch wenn etwas weitergeht.