Barrage de la Verne die Staumauer in mir





Die Steine im Fluss sind nicht einfach Hindernisse. Sie sind die Dinge, an denen ich mich entfalten muss. Dinge, die mir im Weg lagen, nicht um mich aufzuhalten, sondern um mich zu formen. Sie tragen Sinn, auch wenn sie schwer sind. Sie liegen nicht zufällig da. Sie sind Teil meines Weges. Je größer sie sind, desto mehr fordern sie mich. Sie zwingen mich, nicht stehen zu bleiben.
Der Flughafen ist keine Landschaft, er ist ein Zeichen. Er ist die Gesellschaft, die sich zeigt, die sich aufbläht, die lärmt. Metall, Glas, Bewegung, ein ständiges Dröhnen. Er protzt, er ist sichtbar, er will gesehen werden. Er ist alles, was nicht still ist. Er ist die Welt, die sich wichtig nimmt, während ich nach innen gehe. Er ist nicht fern, er ist am Rand meines Blickes, wie ein Geräusch, das nicht verstummt.
Das Wasser ist kein sanftes Element. Es ist ein Werkzeug. Es ist Kraft. Es ist Druck. Es ist Gewalt, die nicht zerstört, sondern freilegt. In meinen inneren Bildern, in der Hypnose, beginne ich meinen Weg flussaufwärts. Ich klettere entlang meines Lebensflusses, gegen die Strömung, gegen die Schwere, bis ich den Staudamm erreiche. Dort sammelt sich alles, was sich über Jahre angestaut hat.
Ich öffne das Wehr nicht vorsichtig.
Ich reiße es auf.
Das Wasser bricht hervor, unkontrolliert, brachial. Es stürzt ins Tal. Es reißt Wurzeln aus dem Boden, schleudert Steine, zertrümmert alte Verkrustungen. Es donnert durch die Schlucht meines Inneren. Es kennt kein Zögern. Es kennt kein Mitleid. Es spült alles frei, was mich behindert hat.
Gedanken werden fortgerissen, Bilder zerbrechen, alte Lasten lösen sich. Das ist nicht Chaos. Das ist notwendige Gewalt. Eine Kraft, die nicht fragt, sondern handelt. Nicht zerstört, sondern Platz schafft.
Dann schließe ich das Wehr wieder.
Nicht aus Angst – aus Bewusstsein.
Langsam beruhigt sich der Fluss. Die Gewalt ebbt ab. Die Strömung wird schwer, breit, tief. Der Fluss ist nicht schwach. Er ist klar. Er ist geordnet. Er trägt.
Ich setze mich ins Kajak. Ich fahre hinunter. Der Fluss trägt mich ohne Widerstand. Keine Steine blockieren mehr. Keine Hindernisse halten mich auf. Die Richtung ist klar. Ich bewege mich auf das Meer zu.
Links erscheint der Flughafen. Lärm. Bewegung. Gesellschaft. Realität. Nur kurz. Wie ein Bild, das auftaucht und wieder verschwindet. Er hat keine Macht über mich. Er bleibt Kulisse.
Die Fahrt dauert, ich weiß nicht wie lange. Zeit löst sich auf. Nur Bewegung bleibt. Nur Fluss. Nur Richtung. Wer sein Leben nicht als Fluss versteht, wer nicht wagt, die Schleusen zu öffnen, bleibt im Stillstand gefangen. Nicht, weil es ihm verboten ist, sondern weil er sich selbst verweigert.
Der Fluss fließt, weil ich ihn öffne.
Er ruht, weil ich ihn wieder schließe.