Die Zeitkugel
Es war heiß auf diesem Planeten.
Nicht einfach heiß, wie ein Sommertag heiß sein kann. Es war eine Hitze, die den Boden aufriss, die Luft zum Flimmern brachte und selbst das Denken langsam machte.
Der Planet starb.
Über dem Horizont standen Feuerberge. Einer nach dem anderen riss auf, als hätte etwas im Innern der Welt beschlossen, nicht länger still zu bleiben.
Ich sah zu meiner Gefährtin. Sie sagte nichts. Sie musste nichts sagen.
Ich packte sie an der Hand.
„Zur Zeitkugel!“
Wir rannten.
Hinter uns platzte der Boden auf. Vor uns stand sie: unsere Kugel, silbern, rund, unmöglich schön in dieser Hölle.
Noch zehn Schritte. Noch fünf. Dann sprang ich.
Sie sprang mit mir. Die Zeitkugel nahm uns auf.
Die Luke schloss sich, während draußen der Planet seinen letzten Atemzug tat.
Dann war Stille.
Für einen Augenblick schwebten wir im Raum.
Vor uns lag der Planet, den wir eben noch unter den Füßen gespürt hatten. Jetzt sahen wir ihn von außen.
Dann explodierte er.
Nicht wie eine Bombe. Eher wie ein Vulkan, der zu groß geworden war für seine eigene Haut.
Manchmal endet eine Welt nicht mit einem Urteil. Manchmal endet sie einfach, weil sie zu lange gebrannt hat.
Die Zeitkugel trieb weiter.
Vor uns lag ein Asteroidengürtel. Wir flogen hindurch, langsam, vorsichtig, als würden wir durch die Gedanken einer zerbrochenen Welt reisen.
Dann sahen wir ihn. Einen Planeten. Blaugrün, gelb, fremd. Nicht freundlich. Aber auch nicht tot.
Wir landeten.
Die Zeitkugel setzte auf einer felsigen Ebene auf. Ringsum standen seltsame Pflanzen, harte Gräser, dunkle Felsen und in der Ferne ein Himmel, der größer wirkte als jeder Himmel, den wir kannten.
Für einen Moment glaubten wir, angekommen zu sein.
Dann kamen die Bestien.
Sie krochen nicht. Sie stürmten.
Aus den Felsen, aus den Schatten, aus dem roten Staub. Große Körper, schuppige Haut, Zähne, Krallen, Augen, die keine Fragen stellten.
Wir zogen die Laserkanonen.
Der erste Strahl schnitt durch die Luft. Der zweite traf den Felsen neben einer der Kreaturen.
„Zur Höhle!“, rief sie.
Sie hatte recht. Wir rannten wieder.
Draußen heulten die Bestien. Ihre Krallen schlugen gegen den Stein. Lavafarbenes Licht flackerte hinter uns.
Dann sahen wir es.
Die Höhle war keine Höhle.
Dahinter öffnete sich ein Raum.
Ein wirklicher Raum.
Warm. Hell. Bewohnbar.
Es gab glatte Wände, eine alte Lampe, einen Tisch, fremde Zeichen, Geräte, die noch leise summten.
Irgendjemand war vor uns hier gewesen. Oder etwas. Vielleicht lange vor unserer Zeit. Vielleicht erst gestern.
Meine Gefährtin trat einen Schritt vor.
„Das ist unmöglich“, sagte sie.
Ich sah mich um. Draußen tobten die Bestien. Hinter uns lag ein explodierter Planet. Vor uns stand ein Raum, der auf uns gewartet hatte.
Ich nickte.
„Ja“, sagte ich. „Aber es ist da.“
Und manchmal reicht das. Nicht die Erklärung. Nicht die Wahrheit. Nur ein Raum, in dem man überlebt.
Für den Anfang.