Die Lektorin

Zwischen Zeilen und Haut

(Der Anfang)

Es klopfte an der Tür – scheinheilig, wie ein höfliches Lächeln vor dem Biss. Dabei wusste ich längst, wer es war. Ich kam gerade aus dem Badezimmer, noch dampfend von der Hitze, ein Badetuch lose um meine Hüften geschlungen. Und da stand sie. Die Lektorin. Schmaler Mund. Scharfer Blick. Ich hatte die Manuskripte nicht abgegeben – und unser Verleger hatte sie auf mich angesetzt wie einen eleganten Bluthund.

Sie sah mich an, als wäre ich Beute. Ein Hauch von Spott in den Augen, dann sagte sie nur leise:
„Na, geduscht?“

Ich nickte. „Ja.“ Meine Stimme war rau. Vielleicht zu rau. Ich hielt ihren Blick. Gott, sie war heiß. Aber eiskalt. Man erzählte sich, sie habe noch nie einen Mann gehabt. Ich wollte es nicht glauben. Ich konnte es nicht glauben. Nicht, wenn sie so dastand – so still, so sicher – und mich musterte, als würde sie innerlich jede einzelne Falte meiner Gedanken glätten.

Ich trat einen Schritt näher, und ihr Blick blieb fest. Zwischen uns stand nichts. Nur Stille. Und Hitze. Nicht vom Wasser – sondern von etwas anderem. Ich warf ihr das Badetuch hin. Es landete weich zu ihren Füßen, wie ein abgelegter Befehl.

„Wenn du auf einer Ebene mit mir sprechen willst… dann zieh dich um.“

Kein Zögern. Kein empörter Laut. Nur ein kurzes Zucken ihrer Augenbraue – dann begann sie, sich auszuziehen. Systematisch. Sachlich. Erschreckend würdevoll. Ein Knopf. Dann noch einer. Hemd. Rock. BH. Schwarz, wie die Lücke zwischen Moral und Begierde.

Ich sah sie an. Und sie ließ es zu. Ganz. Nackt. Unverhüllt. Nicht nur mit der Haut – auch mit dem Willen. Für einen Moment war sie das, was kein Manuskript je eingefangen hatte: Wahrheit in Fleischform.

Dann bückte sie sich, hob das Badetuch auf – und knöpfte es langsam über ihren Körper. Mit einer Präzision, die mir mehr sagte als jede Berührung.
„Gleichstand?“ fragte sie, ohne Regung.

Ich schwieg. Denn das war der Moment, in dem klar wurde:
Sie spielte nicht mit. Sie spielte mich.

Weißt du… Wenn ich sie ansehe, beginne ich zu denken: Was für eine Frau. Aber seien wir ehrlich – ist sie eine Waffe? Oder einfach nur etwas für die Nacht? Ich wusste es nicht. Ich wusste gar nichts mehr, weil mein Körper längst gedacht hatte, noch bevor mein Verstand hinterherkam.

Sie war so schön, so verdammt schön, und ich war erregt. Nicht einfach nur scharf – sondern erschüttert. Weil das, was ich gesehen hatte, mich getroffen hatte. Tief. Wie sollte es weitergehen? Ich wusste, ich sollte etwas sagen.

„Danke dir,“ sagte ich.
„Wie gehen wir weiter?“

Ihre Stimme blieb ruhig:
„Du weißt, warum ich hier bin. Ich brauche die Texte. Welche fehlen dir noch?“

Ich nickte. „Dafür brauchen wir Zeit.“
Dann sah sie mich lange an und sagte nur:
„Was ist dein Preis?“

Ich horchte, dann fragte ich:
„Was fehlt dir denn?“

Ein Moment Stille. Dann kam die Antwort – leise, fast schutzlos:
„Alles. Ich hatte noch nie einen Mann.“

Ich sah auf. Ich verstand es nicht sofort. Wie konnte eine Frau wie sie – eine, die mit Blicken töten konnte – nie berührt worden sein? Sex… mit einem Mann? Nie. Und plötzlich wurde mir klar: Vielleicht war sie nicht unberührt. Sondern unzugänglich. Unnahbar. Wie ein Schwert in Glas gegossen. Und jetzt… stand sie da. Brüchig.

Sie öffnete das Badetuch, ließ es zu Boden gleiten, stellte sich vor mich – nackt, offen, entschlossen. Dann spreizte sie langsam die Beine.
„Küss mich“, sagte sie.
„Zwischen den Beinen.“

Ich kniete mich hin. Nicht aus Unterwerfung. Sondern aus Anerkennung. Ich beugte mich vor. Und küsste sie. Sanft. Zielsicher. Und sie stöhnte – nicht laut, aber tief. Ein Laut, geboren aus Erleichterung und Erregung zugleich. Ihre Finger griffen in mein Haar. Sie führte mich, ohne Gewalt, aber mit einem Willen, der nicht verhandelte. Ich war ganz bei ihr. Sie ließ sich fallen. Und ich fing sie auf.

Dann richtete ich mich auf. Ihre Beine legten sich um mich. Keine Bitte. Kein Zögern. Nur diese eine stumme Entscheidung, die alles sagte. Ich drang in sie ein. Langsam. Tief. Unsere Körper fanden einander, als hätten sie gewusst, wie. Und ich stieß – gleichmäßig, verlangend, geführt vom Rhythmus, den nur sie mir geben konnte.

Und dann kam es über uns – gleichzeitig. Ein Moment ohne Halt. Ohne Luft. Ohne Zeit. Wir verloren uns – und fanden dabei etwas, das größer war als Lust.

Ich sah sie an. Und sie mich.
Und in diesem Blick lag nicht mehr das Spiel.
Es war der Anfang.

Nicht nur von ihr. Nicht nur von mir.
Sondern von uns.

Wir wurden ein Paar.
Nicht durch Worte.
Sondern durch das unausweichliche Verstehen,
das in einem Moment entsteht,
wenn zwei Menschen alles voneinander gesehen haben
und sich trotzdem entscheiden, zu bleiben.

Was danach kam, war mehr als Alltag.
Mehr als Liebe.
Es war ein Leben, in dem Wünsche wahr wurden,
weil keiner von uns je wieder etwas zurückhielt.

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