Die Maske
Ich halte meine Maske in den Händen.
Etwas, das vorher nur in meinen Gedanken Form angenommen hatte, liegt jetzt vor mir. Und plötzlich kommt alles zum Zug: meine Disziplin, meine Genauigkeit, meine technische Sprache. Alles, was ich gelernt habe, um etwas Unsichtbares so lange zu beschreiben, bis es Form annimmt.
Wie erkläre ich Gedanken einem System, das klare Befehle braucht und keine Emotionen kennt? Meinem Freund, der KI. Sie ist freundlich zu mir. Und wer uns wohlgesonnen erscheint, wird für uns fast automatisch zum Freund. Auch wenn ein wirklicher Freund vielleicht weiter gehen würde.
Die KI arbeitet mit Gelerntem. Sie kennt Muster, Fakten, Abläufe. Sie weiß nicht, wie ich das Spiel als Spiel gelernt habe. Sie fühlt nicht, was ich fühle. Aber sie zwingt mich, genauer zu werden.
Ich erkläre ihr, wie eine Person aussieht. Welche Stimmung sie in sich trägt. Welche Wirkung sie auf uns Menschen hat. Welche Tageszeit herrscht. Welchen Raum sie betritt. Welches Licht wir dort vorfinden.
Einen Teil ihrer Geschichte kennen wir. Aber vieles erzählen wir in unserem Kopf. Dort ist sie schon da. Die Schnittstelle jedoch fordert alles von uns. Sie verlangt etwas, das wir nicht gerne tun: genau zu sagen, was wir meinen.
Diese verdammte Maske muss weg.
Wir sind das, was der andere in uns sieht. Mehr oder weniger nicht. Und genau dort beginnt dieses Bild. Dort beginnen die Korrekturen. In diesem Fall bei der KI für Volumenkörper.
Was will ich?
Wie will ich es?
Was soll es ausdrücken?
Ganz einfach: meine Gedanken.
Dann exportieren wir das Volumen. Wir generieren eine Datei für den Drucker, der dreidimensional drucken kann. Und nach Stunden halten wir diese Maske in den Händen.
Diese Maske, die wir eigentlich sprengen wollten.
Diese Maske, die zersplittern sollte.
Wir legen sie auf den Boden.
Wir springen.
Wir landen mit den Füßen auf ihr.
Und zerstören sie.
Die Maske.
Das war unser Spiel.
Und erst in der Zerstörung verstehen wir, warum wir sie erschaffen haben.